Geektour.de geht in die vierte Runde. Mit dabei ist neben Julien dieses Jahr ein neues Gesicht. Christopher behauptet zwar von sich, alles andere als ein Geek zu sein, trumpft dafür aber mit seinem Vegetariertum auf. Wie sich das carniphil/carniphobe Geek-Gespann in einer Welt von Speck, Würstchen und in Fett gebratener Blut-Gedärm-Wurst bereits zum Frühstück schlagen wird erfahrt ihr auf geektour.de ab 27. Juni 2009.
There's no place like home
Devese, Sonntag, 12.07.2009 - 09:47 BST
Aufbruchstimmung am letzten Tag, in einem kleinen Bed and Breakfast im verschlafenen Küstenörtchen St. Mary's Bay irgendwo im Südosten Englands. Es ist neun Uhr morgens. Frühstückszeit. Die Geeks werden gemästet. Unsere nette Gastherrin hat es sich nicht nehmen lassen, uns noch mal richtig was aufzutischen. Die Berge an Frühstück waren schier unüberwindbar, und so kapitulierten wir nach einiger Zeit.
Auf nach Dover, um die für 12 Uhr mittags vorbestellte Fähre zu besteigen. Natürlich standen wir in Dover im Stau. Klar, wenn eine kleine Strasse mitten durch die Stadt zum Fährhafen führt. Trotz längerem stop and go kamen wir noch rechtzeitig an.
Mit der Norfolk Line ging es zurück aufs Festland. Eine eher unspektakuläre Übersetzung.
Auch die Rückfahrt verlief größtenteils normal. Bemerkenswert waren lediglich die Fressunterbrechungen, so hatte uns die nette B&B-Dame doch Lunch-Brunch-Pakete mitgegeben. Wir fanden uns jeweils mit zwei Sandwiches, Obst, Chips, einzeln abgepackten Käse, Salat, Nudelsalat, Kuchen und Schokoriegel sowie zwei halben Litern Softdrinks konfrontiert, die es zu vertilgen galt.
Kurz vor dem Ziel, etwa 50 Kilometer vor Hannover, standen wir dann auch noch im Stau. Baustelle, Verengung von drei auf eine Fahrspur. Na super. Kurz vor 23 Uhr erreichten wir nach insgesamt 3941 zurückgelegten Kilometern Hannover.
Vielen Dank fürs Mitlesen. Wir hoffen, es hat euch ein bisschen Spass gemacht.
Two Caravans?
Somewhere in the English Channel, Samstag, 11.07.2009 - 12:23 BST
Alles begann, wie immer, mit dem Frühstück. Heute im vier-Sterne B&B in Canterbury. Am Tisch neben uns: Deutsche. Sehr zu unserer Belustigung Deutsche von der schlimmsten Sorte. Sie mussten sich über alles beschweren, bestellten das falsche Frühstück, und, was uns doch sehr erheiterte, versuchten 1:4 Squash (sowas wie Sirup) als puren Saft zu trinken.
Während wir unten in der Lounge die Webseite aktuallisierten, fragte uns Lisa, die Betreiberin besagten B&Bs, ob wir vielleicht ihre kleinen Hundebabies fotografieren wollten. 8 Wochen alte schwarze Pudel, die im Laufe ihres Lebens silber werden. Na klar, Puppies! Die sind süß und knuddelig und so, und beissen einem in die Finger.
Am heutigen letzten Tag wollten wir an der Küste Kents entlang drei Castles mitnehmen. Wir machten uns von Canterbury aus also auf den Weg nach Deal. Das ortsansässige Castle ist eine See- und Landbefestigung in Form der Tudor-Rose. Es wurde zum Schutz der Küste und des Handelsweges in Zeiten von Kanonen und Musketen errichtet und ist das besterhaltenste seiner Art. Auch die Audiotour war sehr atmosphärisch und informativ.
Walmer Castle & Gardens war leider wegen einer Hochzeit geschlossen. Also auf nach Dover. Zu aller erst mal in den Hafen, die Fähre buchen. Jetzt aber Norfolk Line.
Leider hatten die ziemlich miese Computerprobleme. Dumm gelaufen. Man riet uns, es doch übers Internet zu versuchen. Wir machten uns also auf den Weg in die Stadt und kehrten ein letztes Mal bei McDonald's ein, um das kostenlose Wifi auszunutzen.
Die Norfolk Line Webseite war down. Mist. Heute war wohl nicht unser Tag. Geschlossene Castles, kaputte Webseiten von Firmen die scheinbar unser Geld nicht wollen. Also wieder zurück in den Hafen. Der Besuch im Doverschen Castle schien zeitlich immer schwieriger zu werden.
Im Hafen hatte man, wohl in weiser Voraussicht, bereits auf manuellen Betrieb umgestellt und füllte pflichtbewust einen Zettel mit unseren Details aus. Hurra, wir hatten einen Fährenplatz nach Dunkirk gebucht.
Jetzt aber doch endlich in die Burg, die neben einer dicken Festung in der Mitte, die unter anderem auch schon im Film The Other Boleyn Girl zu sehen war, einen römischen Leuchtturm und diverse Tunnel in den weißen Klippen zu bieten hat, welche von napoleonischen Zeiten bis hin zum dritten Weltkrieg genutzt werden sollten. Dass Kreidefelsen nicht gegen radioaktive Strahlung hilft, ist den britischen Militärs aber erst vor kurzem aufgefallen, sagte Rebecca, unser Tourguide durch die Tunnelanlagen.
Besagte Tour begannen wir zu zweit. Doch noch während des einleitenden Films kamen zwei Jugendliche hinzu. Wie sich herausstellte, waren es rumänische Studenten, die über den Sommer zum Arbeiten nach England gekommen waren. Sie wohnen in Deal (!) auf einer Obstplantage in Wohnwagen und pflanzen Erdbeeren. Die Entlohnung ist dabei mehr als mager. „I'm disappointed. We've gone from bad to worse... I hope we find something better at the job agency.”
An dieser Stelle den beiden, sollten sie ihren Weg in der Zukunft hierher finden, alles Gute.
Die Nacht verbrachten wir einmal mehr in St. Mary's Bay, bei Jim dem Undertaker und seiner Frau. Die hatten einfach das beste Frühstück zu einem super Preis. Abendessen gab's im Pub, Burger und Brokkoli-Käse-Auflauf. Danach folgte eine längere Erzählung über das Erlebte.
Foreigners
Canterbury, Freitag, 10.07.2009 - 09:45 BST
Self-Service B&B ist mal ganz was neues. Ein Zimmer, das stark an ein Kinderzimmer ohne Spielzeug erinnert, Frühstück im Kühlschrank zum selber machen, und einmal mehr English Hightech in Form von seltsam schwierig zu bedienenden Klospühlungen. Geführt wurde das ganze von Andrew, der es mit Gästeerfassung nicht so genau nahm, und dem BT die Telefonleitung abgedreht hatte, weil er offenbar die Telefonrechnung nicht bezahlt hatte (An dieser Stelle auch danke an den netten Nachbarn, der mal seinen WLAN-Router ordentlich einstellen sollte). Aber trotzdem eine erholsame Nacht, hatten wir doch direkt erst mal verschlafen.
Ipswitch hatten wir ja gestern bereits besichtigt (beschränkt auf den Retailpark mit Kino, zugegeben), also machten wir uns auf den Weg zum nächsten Castle: Rochester Castle. Unterwegs auf der Schnellstrasse trafen wir noch auf ein Auto besetzt mit vier englischen Jugendlichen, mit denen wir diverse metallische Handzeichen austauschten. Sie machten an der selben Tankstelle Rast wie wir und beglückwünschten uns ausgiebig zu unserer geektour.
Die mitten in der Altstadt gelegene Ruine der Burg ist wand-technisch sehr gut erhalten. Leider wurde sie gerade von gefühlten 20 Schulklassen im Alter von 10 bis 15 okkupiert.
Da wir auf dem Irrweg der Parkplatzsuche einen riesigen Second-Hand Bookstore gesehen hatten, machten wir uns alsbald auf die Socken, diesen zu Fuss wiederzufinden.
Nachdem wir unsere Beute im Auto verstaut hatten, ging es weiter zum nahegelegenen Upnor Castle, einer tudorschen Seebefestigung, die den Fluß Medway schützen sollte. Als die Holländer angriffen, versagte sie jedoch kläglich. Und zu sehen gab's da auch nicht viel, kostete doch die Audiotour ein Pfund, das wir uns dann doch nicht leisten wollten.
Weiter im Text. Fahren bis nach Canterbury, nächtigen und danach so langsam Richtung Dover.
Ausnahmsweise mal richtig einfach. In Canterbury sagte uns bereits das erste B&B zu, da uns die nette Dame sogar noch mit dem Preis entgegen kam. Wir bekamen Raum 12 von 15. Draussen stand ein weiteres deutsches Auto.
Pubfood war angesagt. Auf in die Stadt. Dort fanden wir das Rose and Nochirgendwas, das heute ein Pubquiz hatte. Gut, dann mal rein. Drinnen trafen wir auf Charlie, ein Amerikaner der in Lettland lebt und gerade hier ist, weil er ein Vorstellungsgespräch am hiesigen College hat. Man kam ins Gespräch und fand sich plötzlich am selben Tisch essend wieder. Auf dem Speiseplan stand karibisches Essen, da in dem sehr traditionell wirkenden Pub offenbar ein karibisches Restaurant angesiedelt war. Die verpeile Bedienung gab ihr Bestes, zur allgemeinen Verwirrung beizutragen.
Am Pubquiz nahmen wir als Foreigners teil. Ein guter Name, eigentlich, wurde doch den anderen Teams direkt mitgeteilt, dass wir bei den meisten, leider lokalen Fragen, absolut keinen Schimmer hatten.
Das Quiz hatte sechs Runden. Die erste war ein Bilderraten. Da wussten wir eins von zehn, nämlich den Herrn Frodo. Danach kam current affairs, die wohl normalste Kategorie. Hier wussten wir drei, was uns insgesamt vier Punkte einbrachte. Im Top Five gab es zwei Fragen mit jeweils fünf Antworten, die in der richtigen Reihenfolge gegeben werden mussten. Beide Fragen waren sehr lokal, britisches Fernsehen und so. Einer von zehn Punkten, macht insgesamt fünf.
Trivia Trail. Triviales Wissen, aber jede Antwort beginnt mit dem letzten Buchstaben der vorherigen Antwort. Obwohl Charlie Musik unterrichtet, war er mit den komischen 60er-Jahre-Fragen überfordert. Film und TV war's dann auch nicht so. Immerhin hatten wir wieder vier richtig, was uns ingesamt auf neun brachte.
In Runde fünf, Connections, gab es vier Fragen, die wir allesammt einfach mal gar nicht beantworten konnten. Die fünfte Frage war die Verbindung der ersten vier Antworten. Fail, sozusagen. Immer noch neun.
Zu guter letzt Wipe out. Beantworte alle Fragen richtig, und du bekommst fünf Bonuspunkte. Mach eine falsch, und du kriegst gar keine Punkte für die Runde. Wenn man welche frei lässt, zählen sie als null, aber es gibt keinen Bonus mehr. Vier von zehn richtig. Yay. Mit insgesamt 13 Punkten waren wir... letzter! Aber s war trotzdem lustig, zumal man nicht jeden Tag einen lettischen Amerikaner in einem englischen Pub mit karibischer Küche zum Quiz trifft.
Hier noch eine Frage, die wir beantworten konnten:
Which country bet England in the under 21 football championship? Na? Richtig, Deutschland!
Immerhin regnete es nicht
Ipswitch, Donnerstag, 09.07.2009 - 10:46 BST
Neuer Tag, neues Glück. Nach dem Erwachen in der gebuchten Bettenburg King Lynns war eigentlich klar, dass man den vorausgehenden Tag zwar nicht aus dem Gedächtnis streichen, jedoch zu den Erfahrungen packen sollte, die man gesammelt hat, jedoch nicht nochmal erleben möchte. Das nenne ich britischen Optimismus!
Nach dem Frühstück (kein Full Breakfast, sondern nur Billig-Cereal von Tesco) ging es hinaus. Der Tagesplan war voll bepackt mit Burgen und zu fahrenden Meilen, denn langsam rennt uns auch die Zeit davon - und das Bargeld. Nach der Besichtigung des Castles in Castle Rising (ja, der Ort heißt so) und des Fahrens einiger Rolling English Roads kehrten wir zum Mittag in einem Pub ein, der uns zu unserer Überraschung echt gutes Essen auf den urigen Planken auftischte. Wo wir gerade bei der Möbelierung des Pubs sind, es war sehr auffälig, dass die Bestuhlung dieser Lokalität nicht ganz uniform war, sprich kein Stuhl dem anderen ähnelte. Entweder hat die Wirtin eine Sammelleidenschaft für antiquierte Gastronomiestühle oder die Sitzgelegenheiten mussten im Laufe einiger „Meinungsverschiedenheiten” Stück für Stück ausgetauscht werden...
Noch ein paar lokale Biere in der ortsansässigen Brauerei für die Lieben zu Hause gekauft, und weiter ging's. Die Alterskontrollen werden hier übrigens sehr ernst genommen, denn wir wurden beide kontrolliert. Richtig so, würden das alle Läden in Hannover durchziehen, bräuchte sich auch keiner mehr vor den Testkäufer - Teenies zu fürchten.
Höhepunkt des Tages war jedoch die Besichtigung zweier Castles namens Framlingham und Orfort, die beide in gutem Zustand konserviert waren und teilweise recht kuriose Audiotouren für Leute mit leicht infantilem Humor anboten.
Angesichts der fortgeschrittenen Tageszeit war es nun mal wieder an der Zeit, sich eine Bleibe für die Nacht zu suchen, daher ging es weiter in Richtung Ipswich, wo wir nach kurzer Suche und der Plünderung des Teeregals bei Tesco auch fündig wurden. Der Besuch des lokalen Kinos rundete diesen Abend gut ab und ließ die Schmach des Vortages schnell in Vergessenheit geraten.
Lobe den Tag nie vor dem Abend...
King Lynn, Mittwoch, 08.07.2009 - 09:54 BST
...dabei fing er so gut an: wir haben in unserem bisher komfortabelsten B&B gut ausgeschlafen und bekamen ein Full Breakfast aufgetischt, das so üppig war, dass zum ersten Mal bei uns beiden etwas auf den Tellern liegen blieb. Das war ein so eklig guter Start in den Tag, dass da ja noch was kommen musste...
Alles fing damit an, dass es mit dem Verlassen des B&Bs schlagartig zu regnen begann - okay, in Wales soll das vorkommen, daher machten wir uns unbeirrt auf den Weg in Richtung England Eastcoast. Es regnete weiter... nur bei unserer Mittags- und WiFi-Pause beim Burgerbrater schien uns das Britische Wetter wohlgesonnen zu sein, denn der Laptop konnte trockener Platinen transportiert werden.
Am frühen Nachmittag jedoch erbrachen sich die Wolken wieder über uns - natürlich waren wir NICHT im trockenen Auto, sondern rannten inmitten Bolsover Castles herum, eines an sich sehr schönen und super erhaltenen Prunkschlosses, allerdings ist es nicht sehr schön, total durchnässt durch eine Burg zu rennen.
Die Dauer des Regens tangierte auch auf der weiteren Fahrt gegen dauerhaft, daher fiel der Abstecher nach Bolingbroke Castle eher kurz aus. Da gabs jetzt auch nicht viel zu sehen, weil abgesehen von den Fundamenten nichts mehr da war, aber die gestohlenen Infotafeln hätte man schon mal ersetzen können - ich meine, wir haben denen 64 Pfund für die Mitgliedschaft bezahlt, da werden doch wohl 2-3 Schilder drin sein, oder nicht? Aber bleiben wir mal fair: die Ruine erfreut sich scheinbar mittlerweile auch Besuchern, denen es offenkundig nicht um das Englische Kulturerbe geht, sondern eher um den Erhalt der Engländer selber und was wäre, abgesehen vom eigenen Zuhause ein besserer Ort, um sich dieser Sache zu widmen?
Den Höhepunkt des Tages erreichten wir um ca. 6:30 p.m. mit dem Erreichen der Stadt King Lynn, die Frome von ihrem Platz als tollste Stadt Englands gestoßen hat. Fairerweise muss man auch dazusagen, dass dieser Ort wirklich durch sein Nichtvorhandensein von Kulturgut oder anderen Attraktionen, aber auch durch seine wenigen B&B-Vacancies den Titel verdient hat.
Jetzt hausen wir hier in einem tollen Hotelzimmer, an dem wir genug Anteile erworben haben, um in der Hauptversammlung abzustimmen, aber zu dem kein Frühstück gehört. Wir haben in Konsequenz Instantnudeln von Tesco gefuttert, aber sonst war es echt ein super Tag, da kann man sich echt nicht beschweren...
There be sheep here
Welshpool, Dienstag, 07.07.2009 - 12:00 BST
Man könnte meinen, es gäbe nur gute und schlechte Tage. Bei so einem Roadtrip ist das nicht ganz zutreffend. Eigentlich sind alle Tage gut, wenn da nicht die kleinen Aergernisse wären. So wurde heute etwa unser wirklich üppiges Frühstück, das mit viel Liebe (Fett) zubereitet war, von ziemlich miesem Regen getrübt.
Als wir uns auf den Weg zum Internet am anderen Ende der Strasse machen wollten (auch der Inder war am anderen Ende der Strasse, eigentlich ist in Llanberis alles am anderen Ende Der Strasse), teilte uns die gute Dame im B&B mit, dass ihr Mann Martin immer auf der Suche nach Reifen für seinen Porsche wäre. Gestern hatte er uns ja bereits erzählt, dass er sehr gerne mal das Porsche Museum besuchen würde, aber die deutsceh Küche für schlecht befindet. Alleine in London gäbe es mehr Restaurants mit Michelin Sternen als in ganz Deutschland.
Die heutige, ausführliche Diskussion, gespickt mit tieftrockenem, schwarzem britischen Humor, brachte ans Licht, dass er selbst früher für einen großen Reifenfabrikanten gearbeitet hatte.
Nachdem das Internet benutzt und die Webseite geupdated war, machten wir uns auf den Weg quer durch den Nationalpark Snowdonia, um Hustwürg-Castle zu besuchen. Es regnete noch immer.
Das Castell, wie die Teile auf walisisch heissen, lag inmitten eines Waldes, auf einem Berg, im hintersten Nichts. An einem Bauernhof durften wir unsere Eintrittskarte lösen, die aber dank einer drei-Tages-Mitgliedschaft bei Cadw nix kostete.
Zu sehen gab es dann, nach dem Fussmarsch den Berg hoch, einen alten Turm mit einer beschlagenen Eichentür. Drinnen eine Treppe, zur Abwechslung mal grade statt rund. Die Besteigung derselben wurde mit einer beeindruckenden Aussicht belohnt.
Passend zum Thema mal ein kleiner Exkurs in walisische Sicherheitsstandards. Wo in Deutschland Geländer minimal einen Meter oder mehr hoch sein müssen, gilt in Wales offenbar eine Maximalgrenze für Absperrungen jeder Art. Diese scheint umgekehrt proportional zur Tiefe des abgesperrten Abgrundes zu sein. Die Königsklasse ist, einfach das Geländer komplett wegzulassen.
Das nächste Castle lag am noch anderen Ende von Snowdonia. Pflichtbewusst fuhren wir über Strassen, die den Serpentinen locker Konkurenz machen konnten, um nach Harlech zu gelangen. Die dortige Burg steht auf einem Felsen und überblickt sowohl das daruntergelegene Meer als auch die Berggipfel von Snowdonia. Ein durchaus lohnenswerter Abstecher.
Einmal mehr ging es durch Snowdonia, diesmal auf einer noch anderen Route. Wahrscheinlich haben wir jetzt alle verfügbaren Strassen durchprobiert, so viele davon gibts da nämlich nicht.
Die B&B-Suche sollte erst hinter dem Nationalpark beginnen. Kurz vor Welshpool, meiner Ansicht nach der Quelle, der die Gesamtheit der Waliser entstiegen ist, fanden wir einen großen Bauernhof. Der dortige Landwirt hatte leider seine drei Zimmer schon belegt, verwies uns aber auf die Lady drei Häuser weiter links.
ungefähr eine Meile später standen wir vor einem großen, modernen Landhaus mit vier Sternen. Der Preis, zu dem Fiona uns dann einen geradezu riesigen Twin Room gab, war mehr als fair.
So machten wir uns denn auf nach Welshpool, um dort die englische Version des populärsten Fastfood in Deutschland zu fröhnen: Donner Kebab!
Perygl o Farwolaeth
Llanberis, Montag, 06.07.2009 - 10:56 BST
Nach einer langen Tour durch Englische Burgen und B&B's war es mal Zeit für twas Abwechslung, daher machten wir uns nach dem Frühstück in unserem Manor-B&B in Chester auf in Richtung Wales.
Landschaftlich machte sich die Überschreitung der Ländergrenze zuerst nicht bemerkbar: wieder einige Hügel, Burgen, Dangers of Death... das übliche eben. Aber was sind das für seltsame Laute unter den teils leicht makaberen Warnschildern? Hat der Blechpresser da ein bis vier Becher Cider zu viel gekippt? Das mag vielleicht sein, aber in diesem Fall schien es sich tatsächlich um das mysteriöse Walisisch zu handeln, das offenbar in keinster Weise an das Englische oder irgendeine andere Sprache angelehnt ist - Kauderwelsh ist in diesem Fall also nicht an den Haaren herbigezogen.
Wieder lagen einige Burgen auf dem Weg, die wir besichtigten, unter anderem das „Castell Conwy”, dessen Mauern die ganze Stadt einschließen. Bei der Besichtigung eines anderen Gemäuers waren leider die Außenwälle gesperrt, da diese „nicht den Sicheheitsvorkehrungen” entsprachen - wahrscheinlich waren die Zinnen zu hoch oder so, denn die sind hier in Wales echt niedrig und haben meinen Adrenalinpegel echt zum obersten Extrempunkt tangieren lassen.
Die Beichtigung weiterer Castelle war aufgrund der fortgeschrittenen Tageszeit leider nicht möglich, denn in Wales werden sonntags offenbar um vier Uhr Nachmittags vor den Burgen die Bürgersteige eingerollt und die Zugbrücken zum Bügeln ausgehebelt...
Gegen Abend fanden wir dann auch nach relativ kurzer Suche (auch das kann passieren) ein im Walisischen Stil errichtetes Guest House in Llanberis (bitte nicht nach der Aussprache fragen), wieder mit LCD-Glotze, diesmal aber mit mehr Kanälen.
Zu Abend gab es dann wieder den obligatorischen Verdauungstraktreiniger - very hot stuff - two times. Essen schien allgemein das Thema des Abend geworden zu sein, denn Julien ließ sich vom B&B-Host, der übrigens einen echt guten Britischen Humor besitzt, schnurstracks in eine nicht ernst gemeinte Neckerei über die Qualität der deutschen Küche verwickeln. Dann mal guten Hunger!
Books and a Castle
Chester, Sonntag, 05.07.2009 - 10:50 BST
Was gibt es besseres, als den Tag mit einem guten Frühstück und einer netten Unterhaltung zu beginnen? Genau diese Behandlung erhielten wir heute morgen. Man erklärte uns sehr ausführlich und zum Teil auf deutsch, mit schottischem Akzent, wo wir überall hinfahren könnten, und wie die Gebiete, Häuser, Burgen und Schlößer geschichtlich einzuordnen sind. Kultur pur, direkt von einem Geschichtslehrer. Besser gehts gar nich.
Zuerst ging es allerdings in die kleine, aber sehr hübsche Innenstadt. Dort kauften wir eien Second Hand Buchladen leer, und Christopher erstand ein wie er fand preisgünstiges Rugby-Trikot.
Erster planmäßiger Halt sollte Stokesay Castle sein. Ein wirklich schönes, relativ gut erhaltenes Landhaus mit diversen Aufrüstungen. Ein fetter Turm, ne Mauer inklusive Burggraben und so. Insgesamt ein sehr mittelalterlich wirkendes Häuschen.
Einige Kurverei durch typisch englische Strassen erreichten wir Acton Burnell Castle, die Ruinen eines weiteren fortified house. Davon war leider so gut wie gar nix über. Man musste dafür nicht mal Eintritt bezahlen. Zu allem Überfluss begann es dann auch noch zu Regnen. Schnell zurück zum Auto, wo uns direkt eine weitere Sicherung für unser Netzteil durchbrannte. Noch 4 über.
Unsere Reiseroute (sprich: die Strasse, auf der wir langfuhren) führte uns durch diverse Dörfer mit sehr schönen Fachwerkhäusern, bis nach Chester. Die dortige Altstadt ist sehr gut erhalten. Eine ganze zweistöckige Einkaufsmeile im Tudor-Stil.
Wo wir bei alt und gut erhalten sind: Auf der allabendliche B&B-Suche fuhren wir durch ein kleines Dorf und bogen dann rechts ab (natürlich über die Gegenfahrbahn), um einmal mehr mitten durchs Nichts auf eine andere Straße zu kommen. Plötzlich erspähten wir ein B&B-Schild. 4 Sterne. Hmm. Naja, man kann ja mal fragen. Durchs Tor, die längere Einfahrt durch einen sehr gut gepflegten Garten Park, bis ein etwas größeres Haus in Sicht kam. Der ältere Herr, der wohl grade dabei war, seinen englischen Rasen zu versorgen, bot uns ein Zimmer für schlappe 75 Pfund an. „h... Neee. Geht das auch günstiger? Wir kamen uns dann doch entgegen. So sollten wir also in einem Haus schlafen, für das der National Trust locker 5 Pfund Eintritt hätte verlangen können. Komplementiert wurde das von einer fetten Spinne in der Badewanne.
Nachdem wir in der Innenstadt von Chester vergeblich das Kino gesucht hatten, erkärte man uns, dass das jetzt weiter draußen im Grayhound Retail Park sei. Ok, hin da. Navi? Quatsch, geht ohne... Als wir dort dann angekommen waren, sahen wir uns Transformers 2 an, rösteten danach erst mal noch eine Sicherung und fuhren dann zurück in unsere pompöse Unterkunft.
Vor der Zimmertür machten wir halt. Sie ging nicht auf. War das der teuflische Plan der Vermieter, uns unsere geliebten Reisetaschen zu entwenden? Vermutlich nicht, denn nach allerlei Rumprobiererei unsererseits kam die Hausherrin, die wir bis dahin noch nicht kennengelernt hatten, und versuchte ebenfalls ihr Glück. Alle Schlüßel die sie so auftreiben konnte, sie hatte allein für diesen Raum drei, halfen nix. Letztendlich hob sie dann die Tür an und hebelte sie damit auf. Die Spinne in der Badewanne hatte sich inzwischen dank Zellteilung, zu der englische Spinnen vereinzelt fähig sind, verdoppelt.
Starte jeden Tag mit einem Lächeln... und brich schnell
Leominster, Samstag, 04.07.2009 - 09:50 BST
Nach unserer Alptraumfahrt, die uns nach fast vierstündiger Suche dann doch zu einem akzeptablen B&B führte, verlief das Aufstehen am heutigen Tage eher schleppend. Dies lag zum einem an der Erschöpfung, hervorgerufen durch die Irrfahrt durch Somerset & Co., aber auch an den völlig durchgelegenen Betten des B&B-Zimmers, wofür wir übrigens zusammen 60 GBP hinblättern mussten...
Auch das Frühstück war eher ernüchternd - ok, wir haben auf unserer Bestellkarte so ziemlich alles angekreuzt, was sich der Frühstücker in England erträumen kann, allerdings wurde uns dann anstatt des gewünschten sechsgeteilten ein dreigeteilter Teller aufgetischt. Naja, immerhin gab es wieder Presscerealienschleim... für aufs Toast gab es jedoch neben den üblichen Verdächtigen (Marmelade und Butter) noch ein sirupähnliches, fädenziehendes, zähes ... Etwas, das laut Packung eine Art Hefeextrakt sein sollte. Naja, auf jeden Fall hatten wir nach dem Verzehr eines halben 3-ml-Topfes eine gefühlte 200-prozentige Dosis Salz zu uns genommen. Jetzt ist auch der Hintergrund klar warum die Engländer ihr Frühstück wörtlich mit „Brich-schnell” übersetzen.
Gestärkt für die Fortsetzung der Reise in Richtung Wales nahmen wir unterwegs einige Burgen bzw. Burgruinen mit, wie z.B. Farleigh Hungerford Castle oder das gut erhaltene Goodrich Castle, das man fast vollständig begehen kann.
Nach zahlreichen zurückgelegten Meilen, u.a. im nichtenglischsprachigen Teil der Insel, kehrten wir in Leominster ein, wo wir ein nettes B&B ausfindig machen konnten. Wie es der Zufall so wollte - der Englandreisengott muss uns heute zur Abwechslung mal richtig gut gesonnen sein - erwischten wir eine Familie, die des Deutschen durchaus mächtig war, hatte die Hostesse doch Deutsch studiert. Ihr very British anmutende Ehegatte Chris rundete das Bild der ländlichen Oberschicht ab. Man gab uns den einen oder anderen Rat und erklärte uns ausgiebig die Ortschafft. Abgerundet wurde das Gespräch mit einem wilden Austausch über deutsche und englische Grammatik, Bücher und andere Dinge von kulturellem Wert. Im übrigen hat der Cousin von Hugh Laurie ein paar Meilen von hier eine Farm.
Auf Rat von Chris hin zog es uns zunächst zur Bank, an dessen Geldautomaten uns eine seltsame wie lustige Begegnung widerfuhr: ein älterer Herr, nennen wir ihn der Einfachheit halber einfach Mal Joe, der auf die Freigabe der Geldmaschine durch den verpeilten Touristen wartete, sprach uns an. „Hey, I've got the same camera!” Schon entstand ein Gespräch: Ja, wir machen einen Road Trip. Aus Deutschland. Mit dem Auto, genau. Den ganzen weiten Weg. Interesse an unserm Blog? Hier, bitte, unsere Karte.
„You're into gaming, aren't you?” Ha! Der erste der uns nicht auf den Tippfehler hinweist. Respekt, lieber Joe. In all dem Uebermut vergass er dann aber sein Cash im Geldautomaten, sodass wir laut rufend hinter ihm herrennen mussten, um ihn zurückzuholen. Ganz schön viel los in so einer Kleinstadt.
Auf dem Weg zurück ging es noch zum Black Horse, einem lokalen Pub. Dort wurde gegrillt, was wir natürlich mitnahmen. Burger und Backkartoffel mit Salat und hausgemachtem Honeymustard. Pub grub, wir Chris es nannte. Yummy.
Alle Wege führen nach Frome
Melksham, Freitag, 03.07.2009 - 10:21 BST
Nachdem wir unser B&B in Weymouth verlassen hatten, ging es als erstes zu McDonalds, um freies Wifi abzugreifen. Das Internetcafe hatte sich als unverschämt teuer herausgestellt.
In besagtem Fastfood-Tempel trafen wir auf eine Gruppe deutscher Sprachreisender, die sich von unserem mutigen Unterfangen durchaus beeindrucken liessen. Ihr Anführer (heute Teamer, nicht mehr Leader genannt) aus Hannover war so begeistert, dass er sich anbot, beim nächsten Mal direkt mitzukommen.
Als erstes wollten wir heute nach Tyneham, einem kleinen Dorf, das im zweiten Weltkrieg von den Einwohnern verlassen wurde, und bis heute unbewohnt geblieben ist. Wir hatten von Lee und Gary davon erfahren. Dummerweise liegt dieses Dorf genau in einem Militärübungsgebiet. Die Engländer haben nämlich unheimlich Spaß daran, ihre eigene Landschaft kaputtzuballern. Ausgerechnet heute musste natürlich solch eine Panzerübung stattfinden, so dass es einem von am Straßenrand angebrachten Schildern nahegelegt wurde, doch woanders lang zu fahren. Da ein kleiner roter Polo ein ganz wunderbares Ziel für den Schützen eines Challengers ausmachen könnte, entschieden wir uns, dieses Gebiet zu umfahren.
Irgendwie kamen wir dann aber doch mittendurch, und landeten in einem ganz frisch eröffneten Panzermuseum. Dort beschauten wir uns einen Haufen Kriegsspielzeug und trafen auf eine Grundschulklasse, die offensichtlich in der Kriegskunst über den Zweiten Weltkrieg unterrichtet wurde. Ein gutes Thema für achtjährige Mädchen.
Auf dem Rückweg nach Weymouth/Portland fuhren wir schon wieder mitten durch einen offenen Truppenübungsplatz und machten an einem öffentlichen Aussichtspunkt halt. Die Royal Army baut wirklich Parkplätze zum Zuschauen neben ihre Panzerübungsbahnen. So kamen wir dann in den Genuss, die gleichen kleinen Dinger, wie wir sie schon durch Weymouth fahren gesehen hatten, beim Erklimmen eines aufgeschütteten Berges zu beobachten.
Ein netter Mensch, der da mit seinem kleinen, offenbar kriegsbegeisterten Sohn zuschaute, erklärte uns, dass es sich dabei um Schneeraupen handelte. Man hatte wohl kürzlich bemerkt, dass die Teile auch auf Sand und im Gebirge super einzusetzen sind. Die Soldaten werden daher hier auf den Fahrzeugen geschult und machen demnächst einen Roadtrip durch Afghanistan.
Auf nach Portland. Wieder durch Weymouth. Portland Castle ist irgendwie nicht so toll. Nur eine kleine Festung in der Bucht. Dafür wurden in Portland schon diverse Hotels aus dem Boden gestampft, da hier ja in 3 Jahren das Segeln der Olympischen Sommerspiele stattfinden wird.
Wir fuhren weiter nach Portland Bill, dem unteren Zipfel der Halbinsel. Zwischendurch hielten wir noch einmal an, um uns eine alte Bunker- und Geschützanlage zu begucken, die mitten in der Landschaft langsam verrottet. Direkt nebendran ist übrigens noch ein Gefängnis. Immerhin haben die Jungs da drin ne nette Aussicht.
Wir entschieden, weiter nach Norden zu fahren und machten uns alsbald auf den Weg. Die Wegsuchmaschine schickte uns einmal mehr quer durchs Nirgendwo. Als wir kurz vor Bath gegen 19h anfingen, eine Unterkunft zu suchen, waren wir noch guter Dinge. Im Laufe der nächsten Stunden stellte sich dann doch aber ein gewisser Frust ein, als man uns Mal um Mal von der Tür abwies. Sogar ein Campingplatz wollte uns nicht mehr reinlassen, weil die Facilities angeblich die schieren Menschenmassen nicht aufnehmen konnten. Jaja... ist klar. Faules Weib im Bademantel hatte nur keine Lust mehr nach draussen zu gehen.
Wir fuhren also weiter, und umkreisten die kleine, hässliche Stadt Frome gefühlte 30 Mal. Alles voll oder viel zu teuer. Dabei gibts hier in der unmittelbaren Nähe gar nix zu sehen.
Um halb 11, ausgelaugt und müde, fanden wir dann aber doch noch ein B&B, das passenderweise Longhope heisst.
Watching the English
Weymouth, Donnerstag, 02.07.2009 - 10:46 BST
Die Engländer sind ja schon ein sehr komisches Völkchen, das sich ganz wunderbar kategorisieren lässt. Grade in einer kleinen Küstenstadt wie Weymouth sind die meisten Exemplare vorhanden.
Da wäre zum Beispiel der Rentner. Er wohnt in einem überteuerten Seaside-B&B, das aber Pensionär-Rabat bietet, und direkt an der Strandpromenade liegt. Seinen Tag verbringt er damit, wahlweise auf der Terasse vor dem Hotel oder direkt auf der Strandpromenade, wo er für 50 Pence pro Stunde einen Deckchair gemietet hat, herumzusitzen. Die Alte hat er vorher beim hoteleigenen Bingo oder in einem Teehaus abgegeben. Die Zeit vertreibt er sich mit seinen Freunden, oder wahlweise anderen herumsitzenden Rentnern damit, vollbusige junge Engländerinnen im Strandoutfit zu begutachten, und den guten alten Zeiten hinterherzutrauern.
Abends wird die Alte dann beim Tanzen im Hotel bestmöglich hin und her geschoben, je nachdem wie gut das Gewicht dies zulässt.
Wo wir schon einmal dabei sind, nehmen wir uns doch direkt einmal besagte Engländerinnen vor. Am Strand sind diese zuhauf anzutreffen. Meist zeichnen sie sich durch viel zu knappe Kleidung über dicken, cellulitösen Beinen sowie überaus geschmacklosen, tief ausgeschnittenen Blusen aus. Einige Pfunde zu viel pro Quadratinch runden die jungen Damen ab. Das Tüpfelchen auf dem i-Punkt ist aber natürlich der grossflächige Sonnenbrand, der hier scheinbar als Statussymbol getragen wird. Die gezeigte, und damit natürlich auch verbrannte Fläche, ist meist proportional zur gesamten verfügbaren Haut.
Flip-Flops und Iphones, die hier vollkommen deplaziert wirken, scheinen ebenfalls sehr beliebt zu sein. Weiterhin ist zu bemerken, dass die englischen Frauen offenbar nicht nur hitze- und UV-, sondern auch kälteimmun sind, laufen sie doch auch spät Abends, nachdem es an der Küste schon deutlich abgekühlt hat, mit Hotpants oder Gürteln durch die Gegend.
Kommen wir nun zum Fisherman, der sich von all dem touristischen Treiben an der Strandpromenade nicht beeindrucken lässt. Er steht auf der Kaianlage und angelt munter Fisch für Fisch aus dem versifften Hafenbecken. Was um ihn herum geschieht, nimmt er weder wahr, noch ist es von irgendeinem Interesse für ihn. Das einzige, was seine Aufmerksamkeit unterbrechen kann, ist der gelegentliche Wortwechsel mit seinengleichen in fremden, unverständlichen Zungen.
Eine Kreuzung aus dem eher auffälligen Durchschnittsengländer, der sich inzwischen vermehrt hat, und dem Fisherman, ist im Hafen zu finden. Er nutzt eine einfache Schnur und einen Klumpen Hackfleisch, um dem Hafenbecken Krebse zu entreissen, deren Geschmack zu ihrem Pech leider genau den Ködern entspricht. Dem Nachwuchs die besten stupide-Schnur-ins-dreckige-Wasser-halte-Techniken erklärend, lagert er seine Beute in einem für fünf Pfund gemieteten Eimer, wo sie sogleich von Möven geklaut und lautstark in Stücke gerissen wird.
Englische Jugendliche sind Rudeltiere. Sie folgen einem Alphamännchen, meist das größte, stärkste und dümmste der Gruppe. Erkennbar sind sie an Sportbekleidung, häufig einige Nummern zu groß oder zu klein, und einseitig getragenen Rucksäcken. Ihr natürlicher Lebensraum ist die Strandpromenade, Hinterhöfe und kleine Gassen sowie jegliche Art von Piers, gerne auch auf er falschen Seite von Absperrzäunen. Dort treiben sie allerlei Schabernack und unterhalten sich in unverständlichstem Englisch über Dinge, die wir leider nicht verstanden haben.
Nicht zu übertreffen ist aber natürlich der kontinentaleuropäische Fototourist, der sich, behangen mit allerlei Technickschnickschnack und vollgesaut mit Fisch, Pommes, Fett und Essig, wild um sich knipsend durch Hafengebiet, Innenstadt und Strandpromenade bewegt. Dabei lässt er sich nicht einmal von obengenannten Personengruppen einschüchtern, sondern dokumentiert unbehelligt die schiere Sturheit der einheimischen Möven und die Fülle an CCTV-Kameras.
Will man einen Fototouristen im Zweikampf besiegen, so sollte man sich tunlichst an die roten Stellen an Unterarmen, Wadenbeinen und gegebenenfalls dem Gesicht halten, da er dort am verwundbarsten ist. Liegt er erst einmal am Boden, so kann man sich neben Bargeld und Kreditkarten vor allem die zahlreichen Visitenkarten, die er aus Tandoori-Takeaways, Bed and Breakfasts und Paintball-Hallen erbeutet hat, unter den Nagel reißen.
Ihr seht, wir hatten heute viel Spaß in Weymouth, der typisch englischen Küstenkleinstadt.
Von Stock und Stein und Butterfliegen
Weymouth, Mittwoch, 01.07.2009 - 11:35 BST
Wie bereits erwähnt, schliefen wir diese Nacht in einem Luxury Apartement. Auch das Frühstück, nebenan im klassischen B&B-Stil gehalten, war nicht schlecht. Der gute Tom vom B&B muss incredibly well getan haben, hat er sich doch 2008 einen partement-Komplex mit 8 Wohnungen in den Garten gebaut, aber leider erst eins verkauft. Der Audi S4 vor der Tuer spricht da auch Bände.
Als erstes gings zu den lokalen Bischofspalast-Ruinen, die zwar EH gehören, aber irgendwie keinen Eintritt kosteten. Da war nicht mal eine Bewachung. So halbe Häuser aus dem 12. Jahrhundert ohne Innenleben sind schon nicht schlecht. Und Natursteinfliesen hatte der gute Bischof in seinem Luxury Apartement auch, genau wie wir letzte Nacht.
Was wir allerdings nicht hatten, war noch einen Palast ein paar Dörfer weiter, zu dem es uns als nächstes Verschlug. Die dortigen Ruinen waren gleich noch etwas üppiger, und neben dem aktuellen Sitz des Bischofs gelegen. Wir waren ja doch ein klein bisschen versucht, uns mit dem Auto vor die Tür zu stellen und den Kirchenmann ein bisschen mit Iron Maiden zu beschallen - 666 the number of the beast!
In England gibt es vier Sorten Wegweiser-Schilder an den Strassen. Grüne sind für Ortschaften und Strassennamen. Dito blaue auf Autobahnen, die mit M abgekürtzt sind. Weiss steht für lokale Dinge wie Industriegebiete, Stadteile und sowas, und braun für Kultur. Da ist dann immer noch ein nettes Pictogram dabei, damit die ganz dummen auch wissen dass es sich bei *hustwürg*-Castle um eine Burg handelt.
Eben so ein brauens Schild mit einem Propeller drauf erblickten wir auf dem Weg richtung Stonehenge. Ein Aviation Museum. Da mussten wir natürlich hin. Fluchs von der grossen Strasse runter und auf gehts. Zwei Hallen voll mit alten Flugmaschinen, allerlei Puppen in Uniformen und dem einen oder anderen Emblem ,das man zuhause in der Form so nicht mehr hätte ausstellen dürfen.
Nebenan war dann auch gleich noch die Flugschule vom Militär, wo Piloten auf dem Apache ausgebildet werden. So ein Teil begegnete uns auch auf der Schnellstrasse, als es plötzlich direkt neben uns hinter der Böschung auftauchte, ein paar Meter neben uns her flog und dann abdrehte. Scary.
Low Battery ist etwas, was ich gar nicht gut finde. Warum nur sagt uns das Notebook so etwas blödes, obwohl es am Strom hängt? Und warum leuchtet die LED im Netzteil nicht? F*CK! In Stonehenge mit letzter Batteriekraft angekommen, wechselten wir die Sicherung. Poof. Und noch mal. Poof. Poof. Poof. Arghs. Vier Sicherungen putt und keine Ahnung weshalb. Grml. Panickattacken. Schweissausbruch. OK, es waren ohnehin gefühlte 30 Grad schwülwarme Stehluft. Aber was war mit dem Netzteil nicht ok?
Erst mal schnell den Steinhaufen begucken, der noch immer sehr idyllisch von zwei großen Straßen gesäumt wird. Natürlich waren hier wieder viel mehr Touristen als Steine zu sehen. Besonders schön fanden wir die offenbar von der Druiden-Party in der Midsommernacht übergebliebene Dame, die ihre meditative Haltung während unseres ganzen Aufenthaltes nicht veränderte, und die beiden jungen Mädels, die sie ein paar Meter weiter nachäfften, aber dann von einem Lachkrampf in die Realität zurückgeholt wurden.
Nächster Versuch mit dem Netzteil, diesmal in der hinteren Steckdose, wo sonst die Kühlbox drin ist. Poof. Tja, gut, dann halt nicht. Verwenden wir eben den vor zwei Jahren genau aus diesem Grunde erworbenen Spannungswandler. Das funktioniert zwar, aber jetzt haben wir so eine fette Konstruktion aus mehreren Steckern, nämlich den Wandler, einen Adapter für UK nach DE Steckdosen und das Klotznetzteil vom Notebook. Yeah.
Irgendwo im Nichts, denn wir waren mal wieder falsch abgebogen, trat ein nett aussehender älterer Herr zur Seite, da die Strasse für ihn und den Polo nicht breit genug war. Offenbar sahen wir stärker aus. Die Kameratasche an seiner Seite machte mich stutzig. Im Gespräch erfuren wir, dass er seit über 20 Jahren die Schmetterlinge an der gleichen Stelle in der Landschaft katalogisiert. In dieser Zeit hat die Anzahl rapide abgenommen und zwei Spezies sind ausgestorben.
Er erklärte uns bereitwillig und sehr ausführlich den seiner Meinung nach besseren Weg nach Weymouth. Nebenbei erwähnte er noch, dass er mal in Deutschland gewesen wäre, und ein bisschen Deutsch könne.
Auf Grund der akkuraten Zeichnung des Oekologen der ganz alten Schule erreichten wir Weymouth, wo wir zur Abwechslung mal nicht umherirrten, sondern geradezu graziös den Weg zu den Stapletons nahmen. Bei meinen ehemaligen Gasteltern von der Sprachreise vor... 8? Jahren wurden wir herzlich begrüßt und mit Tee überschüttet. An dieser Stelle einen sehr lieben Gruß an Christian und Felix. Lee kann gar nicht glauben, dass das schon so lange her ist.
Wir mussten natürlich zügig wieder aufbrechen, was mit Engländern gar nicht so einfach ist. Wenn sie sich erst einmal an jemanden gewöhnt haben, lassen sie ihn nicht mehr gehen. Manche neigen ja auch dazu, den Besuch mit Tee zu vergiften und ausgestopft in den zweiten Stock zu stellen...
Auf in die Stadt, B&B suchen. In der Lenox Street direkt im ersten Haus wurden wir fünding. Taschen hoch und ab in die Stadt. Ein kleiner Spaziergang, ein Besuch beim Inder und der Weg zurück an der hell erleuchteten Strandpromenade folgten.
Hier gibt es tatsächlich sogar Internet auf dem Zimmer, aber mehr als Text ist nicht drin. Schade.
Sprecken Sieh Doeitsch?
Weymouth, Dienstag, 30.06.2009 - 23:40 BST
Es ist echt unfassbar, aber es scheint, dass die Erfinder der am zweitmeisten gesprochenen Sprache der Welt uns verstehen. Alles begann harmlos beim Breakfast in Newhaven, als unser Gastgeber Phil uns auf Deutsch begruesste und uns spaeter noch mit einer E-Mail ueberraschte. Das Fruehstueck war dann aber trotzdem traditionell im Stile der Insel gehalten: Baked Beans, Pilze, Scrumpled Eggs und *Trommelwirbel* WEEEEEEEETABIXXXX, der geniale Presscerealienschleim, den man sich zu den Conflakes mischen kann - schade, dass das in Deutschland nicht so verbreitet ist...
Nachdem wir unsere Sachen wieder in den Folkzwegon geladen hatten und Julien diesen die Einfahrt herunterfuhr, ging es weiter: ein aelterer Gentleman stoppte seinen Euroshopper direkt neben mir - wahrscheinlich erregte das spektakulaere Ausparkmanoever des Linkslenkers mit deutschem Kennzeichen, sowie der Freak mit der Spiegelreflex, der das ganze fotografiert, seine Aufmerksamkeit. Jedenfalls ueberraschte er mich mit der Frage „Sprecken Sie Doeitsch?” sodass ich nur „Yeh, ain bisschaen...” herausbringen konnte.
Total ueberrumpelt von dieser Erfahrung zog es uns in die Stadt, wo wir zunaechst den kostenlosen WiFi-Accesspoint bei McDonals's nutzten, um den Blog zu aktualisieren, sowie im Anschluss einen Profiltiefenmesser zu kaufen, den wir auf der Rueckfahrt fuer ein kleines Experiment brauchen werden - mehr dazu spaeter.
Von Newhaven zog es uns weiter Richtung Westen, wo wir in Brighton einem Geheimtipp eines Passanten folgten, der uebrigens auch der deutschen Sprache, wenn auch mit leichter Koelner Mundart maechtig war: in Shoreham By Sea fanden wir in einer Hausbootkolonie zahlreiche interessante Fotomotive, inklusive ausgemusterter Minenboote und farbenfroh gestalteten ehemals schwimmenden Heimen inklusive Vorgarten (!)
Ausgestattet mit zahlreichen neuen Fotos auf der Speicherkarte und einer Britischen Simkarte, die uns das Nach-Hause-Telefonieren erleichtern soll, setzten wir unsere Reise gen Westen fort, Ziel war das Erreichen einer vermeintlichen Abbey, dessen Anblick uns hatte neugierig werden lassen. Es gab allerdings zwei Probleme: 1. eine bl***y motorway junction, wie sie uns in Eindhoven schon zu schaffen machte, sowie die Tatsache, dass es sich bei der „Abbey” eigentlich um ein privates College handelte, das man natürlich nicht besichtigen kann.
Sowas frustriert natuerlich sehr, daher ging es erstmal zum Supermarkt, ein paar Lebensmittel einkaufen - allerdings habe ich als umweltschuetzend erzogener Mensch und Pfandflaschenhamsterer noch immer ein mulmiges Gefuehl dabei, eine leere Dose zu zerdruecken und in den naechsten Muelleimer zu werfen.
Da es im Anschluss bereits Spaetnachmittag war, begannen wir, unsere Routenplanung mehr auf die Suche nach einem geeigneten B&B-Ort auszurichten, wobei wir als grobes Ziel Portsmouth ansteuerten. Irgendwo in einem Wohngebiet sprach man uns schon wieder auf deutsch an, diesmal aber mit Schweizer Dialekt. Die nette Dame, deren Mann kein Wort Deutsch konnte und die offenbar an der Uni arbeitete, wollte sich nach dem Wohlbefinden unseres fahrbaren Untersatzes erkundigen.
Einige Doerfer weiter, quasi mitten im Nichts, verwies man uns in einem Pub auf ein B&B, an dem wir erst mal direkt vorbeigefahren waren. Tom zeigte uns ein En-Suite Zimmer. Ok. Ein Appartement. Mit Kueche. Und Garten. Und 42 Zoll Glotze.
In diesem Sinne sitzen wir jetzt vor dem Flachbild-TV, essen unser Vollkorntoast mit Kaese und freuen uns auf das naechste Full Breakfast - hoffentlich auch wieder mit WEEEEEETABIXXXX.
Six feet under, round and about
McDonalds, Newhaven, Montag, 29.06.2009 - 10:47 BST
Es gibt Dinge, die moechte man eigentlich gar nicht machen. Zum Beispiel bei einem Totengraeber zu uebernachten. Genau das taten wir aber heute Nacht, denn Jim und Janice vom The J's B&B machten in Leichenabtransport. Der dezent mit Private Ambulance beschriftete schwarze Vito rundete das Bild ab.
Tatsaechlich war das aber ein sehr schoenes, sauberes und gemuetliches B&B in dem wir von zwei kleinen Hunden und einer sehr redseeligen aelteren Dame begruesst wurden, die es sich nicht nehmen liess, uns ihre halbe Lebensgeschichte plus geplantem Ende („I don't like planing, I'm adventurous!”) mehrmals zu erzaehlen. Zum Dank fuers Zuhoeren machte sie uns dann aber auch ein Mords-Fruehstueck. Jim war leider nicht anwesend, weil er auf einem Campingplatz jemanden einsammeln musste. Dafuer erzaehlte uns Janice dann aber noch, dass er hauptberuflich eigentlich eine Stretch-Limo fahre. Komische Leute gibts...
Heute sollte es nach Westen gehen. Erster Halt war Rye, eine kleine Stadt mit sehr gut erhaltenem, altertuemlichen Kern. Dort fanden wir ganz zufaellig auch ein Internet-Cafe direkt neben dem Parkplatz. Bis das dann um halb 11 aufmachte, vertrieben wir uns die Zeit mit einem Spaziergang durch die Stadt.
Weiter Richtung Westen, ueber Stock und Stein und viel zu enge Strassen, die uns zum einen oder anderen panisch-rueckwaerts-den-Berg-hoch-Manoever veranlassten, erspaehten wir irgendwann ein English Heritage Schild. In Pevensey Castle nahe Eastbourne konnten wir also eine Mitgliedschaft erstehen. Die werden auch immer teurer. Schlappe 31 Pfund aermer, rannten wir in den Burgruinen rum, die von einer grossen deutschen Jugendlichen-Reisegruppe dominiert wurde, und aus dem 12. Jahrhundert datiert.
Auf dem Parkplatz hatten wir dann ein nettes Plaeuschchen mit dem deutschen Busfahrer aus Vechta. Der sagte, es sei eine Klassenfahrt, und die gaebe es inzwischen haeufiger, weil das hier alles so billig geworden sei.
Ein Blick auf die neu erstandene Karte im EH-Notebook verriet uns, dass wir wohl oder uebel wieder zurueck fahren mussten, wenn wir noch etwas mehr Kultur sehen wollten. Es ging also nach Battle. Ja, der Ort heisst wirklich so. Und zwar, weil da eine grosse Schlacht war. Kreativ, oder?
In der dortigen Abbey-Ruine sparten wir um die 5 Pfund Eintritt. Zusammen mit den 3 Pfund aus Pevensey muessen wir jetzt also nur noch 23 weitere Pfunde abarbeiten. Naja, wir kommen ja bestimmt noch bei Stonehenge vorbei.
Das Kloster war teilweise recht gut erhalten, und auch das Schlachtfeld, auf dem 1066 die Normannen die Englaender bezwangen, war zu bestaunen. Eine inzwischen unberuehrte Wiese. Gut. Leichen hatten wir ja auch schon heute morgen.
Was folgte laesst sich wohl am besten als Irrfahrt durch diverse Doerfer beschreiben, in denen es einfach keine Bed and Breakfasts geben wollte. Aussnahme war Eastbourne, wo man uns im 2005 bereits besuchten Marina Hotel mal eben 35 Pfund pro Person fuer ein Zimmer abknuepfen wollte. Also weitersuchen.
Letztendlich fuendig wurden wir in Newhaven, wo wir einen netten Herren in einem Stadt-B&B auf 30 pro Person runterhandelten, weil wir das Gesuche satt hatten.
Apropos satt: Im Newhaven Tandoori Takeaway legt der kleine, schwer verstaendliche Inder, der unsere Bestellung aufnehmen wollte, sehr viel Wert darauf, jeden Satz mit „my friend” zu beenden. Aber er machte uns ein echt gutes Curry zu einem super Preis. Leider riecht jetzt das Zimmer nach Curry. Das macht aber nix, wir gehen morgen frueh eh wieder.
Irrhinfahrt
Rye, Sonntag, 28.06.2009 - 11:42 BST
Googles Wegbeschreibungen sind ja meistens recht präzise. Das dachte ich zumindest, bis ich nach Schessinghausen gefahren bin. Irgendwie... waren die Strassen nicht da, wo ich sie vermutete. Nunja, das hat man davon, wenn man sich auf einen Ausdruck verlässt, obwohl man zwei GPS-Geräte und einen Laptop dabei hat.
Trotzdem kam ich fast pünktlich bei Christopher an, sodass wir gegen halb 10 losfahren konnten. In die falsche Richtung. Offenbar ist die Google-Maschine nicht als einziger unfähig Karten zu lesen. Im zweiten Anlauf klappte das dann aber zum Glück doch noch. Einen unwesentlichen Umweg später waren wir also auf der B6 und unterwegs 'gen Holland. Irgendwo im Ruhrpot verfuhren wir uns dann aber gleich noch mal. Mit „Keep right” war scheinbar rechst raus und dann links gemeint. Da muss man auch erst mal drauf kommen. Flugs eine Schleife gefahren, denn zum Glück gabs da nur Autobahnen, und schon gings weiter.
Die erste, unspektakuläre Rast legten wir in den Niederlanden ein. Inzwischen hatte sich auch das Wetter zu unseren Gunsten gebessert. Weniger Wolken, dafür aber schwül und warm. Wie ihr euch sicher erinnern könnt, ist Antwerpen der gefürchtetste Autobahnknoten in der Geschichte von Geektour. Ab heute gibt es einen würdigen Nachfolger: Eindhoven. Die bauen da scheinbar grade einen neuen Autobahnknoten mitten in ihre Innenstadt. Halbfertige, kilometerhohe Brücken, jede Menge Ausfahrten, viel zu kurze Entfernungen zwischen Ein- und Ausfahrten und der totale Schilderwald. Wir mussten dreimal im Kreis fahren, bis wir endlich die richtige Strasse erwischt hatten. Und das schon in Holland.
In Antwerpen dagegen lief alles glatt. Christopher fuhr ohne nennenswerte Probleme (ok, die Belgier fahren wirklich dicht auf *fluch*) souverän durch den den Brückenjungel.
Belgien scheint im übrigen ein unheimlich guter Markt für Reifenhändler zu sein. Hier liegen dermassen viele geplatze Schlappen rum, das ist schon nicht mehr feierlich. Der Randstreifen sieht aus wie ein Reifenfriedhof. Entweder die Belgier können alle nicht richtig Auto fahren, oder die Strassen sind zur Konjunkturankurbelung mit Absicht so schlecht, dass die Bürger öfter neue Reifen im Internet bestellen müssen.
Leider waren wir für die Fähre aus Dunkirk zu spät dran (dank etwaiger Umwege...), also mussten wir nach Calais weiterfahren. Und wenn die Autobahn dann noch an jeder Ecke von fünf Motoradpolizisten und einem ganzen Bus voll noch mehr Polizei bewacht wird, dann fühlt man sich gleich richtig sicher im schönen Frankreich.
Endlich auf dem Schiff angekommen (P&O ist nach wie vor teuer, aber wir sind ja quasi selbst Schuld), mussten wir natürlich als erstes den Dance Dance Revolution-Automat suchen. Wer hätt's gedacht, es gab tatsächlich einen. Direkt mal das erste Pfund verhüpft.
Auf der Insel angekommen, fuhren wir Richtung Westen und landeten auf dem Parkplatz eines Sainsbury's, wo wir auf Grund von Anti-Drogen-Gesetzen in Niedersachen nicht mehr erhältliche Red Bull Cola erstanden. Yeah.
Ein paar Dörfer weiter, in St. Marys Bay, fanden wir ein nettes Bed and Breakfast und liessen den Abend im dank einer 18.-Geburtstags-Feier etwas zu lauten lokalen Pub ausklingen.
Countdown: t - 12 Stunden
Devese, Freitag, 26.06.2009 - 19:17 BST
Jetzt ist es mal wieder fast so weit. In 12 Stunden geht es auf die Insel. Gerade laufen einmal mehr die letzten Vorbereitungen. Waehrend ich schon das meiste gepackt habe, und mich nun einem halben Schwein auf Toast hingeben werde, geht Christopher noch ein bisschen feiern. „Ich packe dann morgen frueh fertig.”
Wie es weitergeht erfahrt ihr ab morgen hier, oder, fuer die ganz faulen, in unserem Atom-Feed.