Sprecken Sieh Doeitsch?
Weymouth, Dienstag, 30.06.2009 - 23:40 BST
Es ist echt unfassbar, aber es scheint, dass die Erfinder der am zweitmeisten gesprochenen Sprache der Welt uns verstehen. Alles begann harmlos beim Breakfast in Newhaven, als unser Gastgeber Phil uns auf Deutsch begruesste und uns spaeter noch mit einer E-Mail ueberraschte. Das Fruehstueck war dann aber trotzdem traditionell im Stile der Insel gehalten: Baked Beans, Pilze, Scrumpled Eggs und *Trommelwirbel* WEEEEEEEETABIXXXX, der geniale Presscerealienschleim, den man sich zu den Conflakes mischen kann - schade, dass das in Deutschland nicht so verbreitet ist...
Nachdem wir unsere Sachen wieder in den Folkzwegon geladen hatten und Julien diesen die Einfahrt herunterfuhr, ging es weiter: ein aelterer Gentleman stoppte seinen Euroshopper direkt neben mir - wahrscheinlich erregte das spektakulaere Ausparkmanoever des Linkslenkers mit deutschem Kennzeichen, sowie der Freak mit der Spiegelreflex, der das ganze fotografiert, seine Aufmerksamkeit. Jedenfalls ueberraschte er mich mit der Frage „Sprecken Sie Doeitsch?” sodass ich nur „Yeh, ain bisschaen...” herausbringen konnte.
Total ueberrumpelt von dieser Erfahrung zog es uns in die Stadt, wo wir zunaechst den kostenlosen WiFi-Accesspoint bei McDonals's nutzten, um den Blog zu aktualisieren, sowie im Anschluss einen Profiltiefenmesser zu kaufen, den wir auf der Rueckfahrt fuer ein kleines Experiment brauchen werden - mehr dazu spaeter.
Von Newhaven zog es uns weiter Richtung Westen, wo wir in Brighton einem Geheimtipp eines Passanten folgten, der uebrigens auch der deutschen Sprache, wenn auch mit leichter Koelner Mundart maechtig war: in Shoreham By Sea fanden wir in einer Hausbootkolonie zahlreiche interessante Fotomotive, inklusive ausgemusterter Minenboote und farbenfroh gestalteten ehemals schwimmenden Heimen inklusive Vorgarten (!)
Ausgestattet mit zahlreichen neuen Fotos auf der Speicherkarte und einer Britischen Simkarte, die uns das Nach-Hause-Telefonieren erleichtern soll, setzten wir unsere Reise gen Westen fort, Ziel war das Erreichen einer vermeintlichen Abbey, dessen Anblick uns hatte neugierig werden lassen. Es gab allerdings zwei Probleme: 1. eine bl***y motorway junction, wie sie uns in Eindhoven schon zu schaffen machte, sowie die Tatsache, dass es sich bei der „Abbey” eigentlich um ein privates College handelte, das man natürlich nicht besichtigen kann.
Sowas frustriert natuerlich sehr, daher ging es erstmal zum Supermarkt, ein paar Lebensmittel einkaufen - allerdings habe ich als umweltschuetzend erzogener Mensch und Pfandflaschenhamsterer noch immer ein mulmiges Gefuehl dabei, eine leere Dose zu zerdruecken und in den naechsten Muelleimer zu werfen.
Da es im Anschluss bereits Spaetnachmittag war, begannen wir, unsere Routenplanung mehr auf die Suche nach einem geeigneten B&B-Ort auszurichten, wobei wir als grobes Ziel Portsmouth ansteuerten. Irgendwo in einem Wohngebiet sprach man uns schon wieder auf deutsch an, diesmal aber mit Schweizer Dialekt. Die nette Dame, deren Mann kein Wort Deutsch konnte und die offenbar an der Uni arbeitete, wollte sich nach dem Wohlbefinden unseres fahrbaren Untersatzes erkundigen.
Einige Doerfer weiter, quasi mitten im Nichts, verwies man uns in einem Pub auf ein B&B, an dem wir erst mal direkt vorbeigefahren waren. Tom zeigte uns ein En-Suite Zimmer. Ok. Ein Appartement. Mit Kueche. Und Garten. Und 42 Zoll Glotze.
In diesem Sinne sitzen wir jetzt vor dem Flachbild-TV, essen unser Vollkorntoast mit Kaese und freuen uns auf das naechste Full Breakfast - hoffentlich auch wieder mit WEEEEEETABIXXXX.



