Von Stock und Stein und Butterfliegen
Weymouth, Mittwoch, 01.07.2009 - 11:35 BST
Wie bereits erwähnt, schliefen wir diese Nacht in einem Luxury Apartement. Auch das Frühstück, nebenan im klassischen B&B-Stil gehalten, war nicht schlecht. Der gute Tom vom B&B muss incredibly well getan haben, hat er sich doch 2008 einen partement-Komplex mit 8 Wohnungen in den Garten gebaut, aber leider erst eins verkauft. Der Audi S4 vor der Tuer spricht da auch Bände.
Als erstes gings zu den lokalen Bischofspalast-Ruinen, die zwar EH gehören, aber irgendwie keinen Eintritt kosteten. Da war nicht mal eine Bewachung. So halbe Häuser aus dem 12. Jahrhundert ohne Innenleben sind schon nicht schlecht. Und Natursteinfliesen hatte der gute Bischof in seinem Luxury Apartement auch, genau wie wir letzte Nacht.
Was wir allerdings nicht hatten, war noch einen Palast ein paar Dörfer weiter, zu dem es uns als nächstes Verschlug. Die dortigen Ruinen waren gleich noch etwas üppiger, und neben dem aktuellen Sitz des Bischofs gelegen. Wir waren ja doch ein klein bisschen versucht, uns mit dem Auto vor die Tür zu stellen und den Kirchenmann ein bisschen mit Iron Maiden zu beschallen - 666 the number of the beast!
In England gibt es vier Sorten Wegweiser-Schilder an den Strassen. Grüne sind für Ortschaften und Strassennamen. Dito blaue auf Autobahnen, die mit M abgekürtzt sind. Weiss steht für lokale Dinge wie Industriegebiete, Stadteile und sowas, und braun für Kultur. Da ist dann immer noch ein nettes Pictogram dabei, damit die ganz dummen auch wissen dass es sich bei *hustwürg*-Castle um eine Burg handelt.
Eben so ein brauens Schild mit einem Propeller drauf erblickten wir auf dem Weg richtung Stonehenge. Ein Aviation Museum. Da mussten wir natürlich hin. Fluchs von der grossen Strasse runter und auf gehts. Zwei Hallen voll mit alten Flugmaschinen, allerlei Puppen in Uniformen und dem einen oder anderen Emblem ,das man zuhause in der Form so nicht mehr hätte ausstellen dürfen.
Nebenan war dann auch gleich noch die Flugschule vom Militär, wo Piloten auf dem Apache ausgebildet werden. So ein Teil begegnete uns auch auf der Schnellstrasse, als es plötzlich direkt neben uns hinter der Böschung auftauchte, ein paar Meter neben uns her flog und dann abdrehte. Scary.
Low Battery ist etwas, was ich gar nicht gut finde. Warum nur sagt uns das Notebook so etwas blödes, obwohl es am Strom hängt? Und warum leuchtet die LED im Netzteil nicht? F*CK! In Stonehenge mit letzter Batteriekraft angekommen, wechselten wir die Sicherung. Poof. Und noch mal. Poof. Poof. Poof. Arghs. Vier Sicherungen putt und keine Ahnung weshalb. Grml. Panickattacken. Schweissausbruch. OK, es waren ohnehin gefühlte 30 Grad schwülwarme Stehluft. Aber was war mit dem Netzteil nicht ok?
Erst mal schnell den Steinhaufen begucken, der noch immer sehr idyllisch von zwei großen Straßen gesäumt wird. Natürlich waren hier wieder viel mehr Touristen als Steine zu sehen. Besonders schön fanden wir die offenbar von der Druiden-Party in der Midsommernacht übergebliebene Dame, die ihre meditative Haltung während unseres ganzen Aufenthaltes nicht veränderte, und die beiden jungen Mädels, die sie ein paar Meter weiter nachäfften, aber dann von einem Lachkrampf in die Realität zurückgeholt wurden.
Nächster Versuch mit dem Netzteil, diesmal in der hinteren Steckdose, wo sonst die Kühlbox drin ist. Poof. Tja, gut, dann halt nicht. Verwenden wir eben den vor zwei Jahren genau aus diesem Grunde erworbenen Spannungswandler. Das funktioniert zwar, aber jetzt haben wir so eine fette Konstruktion aus mehreren Steckern, nämlich den Wandler, einen Adapter für UK nach DE Steckdosen und das Klotznetzteil vom Notebook. Yeah.
Irgendwo im Nichts, denn wir waren mal wieder falsch abgebogen, trat ein nett aussehender älterer Herr zur Seite, da die Strasse für ihn und den Polo nicht breit genug war. Offenbar sahen wir stärker aus. Die Kameratasche an seiner Seite machte mich stutzig. Im Gespräch erfuren wir, dass er seit über 20 Jahren die Schmetterlinge an der gleichen Stelle in der Landschaft katalogisiert. In dieser Zeit hat die Anzahl rapide abgenommen und zwei Spezies sind ausgestorben.
Er erklärte uns bereitwillig und sehr ausführlich den seiner Meinung nach besseren Weg nach Weymouth. Nebenbei erwähnte er noch, dass er mal in Deutschland gewesen wäre, und ein bisschen Deutsch könne.
Auf Grund der akkuraten Zeichnung des Oekologen der ganz alten Schule erreichten wir Weymouth, wo wir zur Abwechslung mal nicht umherirrten, sondern geradezu graziös den Weg zu den Stapletons nahmen. Bei meinen ehemaligen Gasteltern von der Sprachreise vor... 8? Jahren wurden wir herzlich begrüßt und mit Tee überschüttet. An dieser Stelle einen sehr lieben Gruß an Christian und Felix. Lee kann gar nicht glauben, dass das schon so lange her ist.
Wir mussten natürlich zügig wieder aufbrechen, was mit Engländern gar nicht so einfach ist. Wenn sie sich erst einmal an jemanden gewöhnt haben, lassen sie ihn nicht mehr gehen. Manche neigen ja auch dazu, den Besuch mit Tee zu vergiften und ausgestopft in den zweiten Stock zu stellen...
Auf in die Stadt, B&B suchen. In der Lenox Street direkt im ersten Haus wurden wir fünding. Taschen hoch und ab in die Stadt. Ein kleiner Spaziergang, ein Besuch beim Inder und der Weg zurück an der hell erleuchteten Strandpromenade folgten.
Hier gibt es tatsächlich sogar Internet auf dem Zimmer, aber mehr als Text ist nicht drin. Schade.



