Books and a Castle
Chester, Sonntag, 05.07.2009 - 10:50 BST
Was gibt es besseres, als den Tag mit einem guten Frühstück und einer netten Unterhaltung zu beginnen? Genau diese Behandlung erhielten wir heute morgen. Man erklärte uns sehr ausführlich und zum Teil auf deutsch, mit schottischem Akzent, wo wir überall hinfahren könnten, und wie die Gebiete, Häuser, Burgen und Schlößer geschichtlich einzuordnen sind. Kultur pur, direkt von einem Geschichtslehrer. Besser gehts gar nich.
Zuerst ging es allerdings in die kleine, aber sehr hübsche Innenstadt. Dort kauften wir eien Second Hand Buchladen leer, und Christopher erstand ein wie er fand preisgünstiges Rugby-Trikot.
Erster planmäßiger Halt sollte Stokesay Castle sein. Ein wirklich schönes, relativ gut erhaltenes Landhaus mit diversen Aufrüstungen. Ein fetter Turm, ne Mauer inklusive Burggraben und so. Insgesamt ein sehr mittelalterlich wirkendes Häuschen.
Einige Kurverei durch typisch englische Strassen erreichten wir Acton Burnell Castle, die Ruinen eines weiteren fortified house. Davon war leider so gut wie gar nix über. Man musste dafür nicht mal Eintritt bezahlen. Zu allem Überfluss begann es dann auch noch zu Regnen. Schnell zurück zum Auto, wo uns direkt eine weitere Sicherung für unser Netzteil durchbrannte. Noch 4 über.
Unsere Reiseroute (sprich: die Strasse, auf der wir langfuhren) führte uns durch diverse Dörfer mit sehr schönen Fachwerkhäusern, bis nach Chester. Die dortige Altstadt ist sehr gut erhalten. Eine ganze zweistöckige Einkaufsmeile im Tudor-Stil.
Wo wir bei alt und gut erhalten sind: Auf der allabendliche B&B-Suche fuhren wir durch ein kleines Dorf und bogen dann rechts ab (natürlich über die Gegenfahrbahn), um einmal mehr mitten durchs Nichts auf eine andere Straße zu kommen. Plötzlich erspähten wir ein B&B-Schild. 4 Sterne. Hmm. Naja, man kann ja mal fragen. Durchs Tor, die längere Einfahrt durch einen sehr gut gepflegten Garten Park, bis ein etwas größeres Haus in Sicht kam. Der ältere Herr, der wohl grade dabei war, seinen englischen Rasen zu versorgen, bot uns ein Zimmer für schlappe 75 Pfund an. „h... Neee. Geht das auch günstiger? Wir kamen uns dann doch entgegen. So sollten wir also in einem Haus schlafen, für das der National Trust locker 5 Pfund Eintritt hätte verlangen können. Komplementiert wurde das von einer fetten Spinne in der Badewanne.
Nachdem wir in der Innenstadt von Chester vergeblich das Kino gesucht hatten, erkärte man uns, dass das jetzt weiter draußen im Grayhound Retail Park sei. Ok, hin da. Navi? Quatsch, geht ohne... Als wir dort dann angekommen waren, sahen wir uns Transformers 2 an, rösteten danach erst mal noch eine Sicherung und fuhren dann zurück in unsere pompöse Unterkunft.
Vor der Zimmertür machten wir halt. Sie ging nicht auf. War das der teuflische Plan der Vermieter, uns unsere geliebten Reisetaschen zu entwenden? Vermutlich nicht, denn nach allerlei Rumprobiererei unsererseits kam die Hausherrin, die wir bis dahin noch nicht kennengelernt hatten, und versuchte ebenfalls ihr Glück. Alle Schlüßel die sie so auftreiben konnte, sie hatte allein für diesen Raum drei, halfen nix. Letztendlich hob sie dann die Tür an und hebelte sie damit auf. Die Spinne in der Badewanne hatte sich inzwischen dank Zellteilung, zu der englische Spinnen vereinzelt fähig sind, verdoppelt.



